Diskussionsveranstaltung „Die Rückkehr des Wolfes in den Harz“

Die Rückkehr des Wolfes in den Harz – Wanderer in Gefahr?

Interessante Diskussion zu einem kontroversen Thema

 Zugegeben, der Titel der Veranstaltung war ein wenig provozierend – jedenfalls wohl für diejenigen, die den Wolf uneingeschränkt begrüßen und keine Angst vor dessen Rückkehr haben. Weil wir aber wissen, dass nicht alle Wanderinnen und Wanderer dem Wolf so vorbehaltlos entgegensehen, haben wir den Titel bewusst so formuliert – um so gerade auch Skeptiker anzusprechen und ihnen sachlich und fachlich fundiert hilfreiche Informationen zum Wolf zu bieten.

Vor fast 80 Besuchern und unter der einmal mehr hervorragenden Moderation von Andreas Rietschel, ehemals Chefredakteur der Goslarschen Zeitung, diskutierten am 26. August im Kurhaus St. Andreasberg vier Podiumsgäste untereinander und mit dem Publikum:

  • Carola Schmidt (Geschäftsführerin Harzer Tourismusverband),
  • Konstantin Knorr (Leiter des Wolfsbüros des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz),
  • Andreas Berbig (Wolfskompetenzzentrum des Landes Sachsen-Anhalt) sowie
  • Jürgen Hirschfeld (Kreislandwirt Goslar).

 

Dank des Moderators und der Beteiligung des Publikums blieben – zumindest an diesem Abend – zunächst keine Fragen offen. Was jedoch nicht heißt, dass am Ende alle der gleichen Meinung waren. Der Umgang miteinander aber war sehr fair und respektvoll.

 

Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Diskussionspunkte:

Der Wolf und die Menschen

In der Regel weichen wildlebende Wölfe dem Menschen aus, so dass es in freier Wildbahn kaum zu Begegnungen kommt. Wölfe allerdings, die durch Orte laufen und sich dem Menschen auf weniger als 30 m Distanz nähern, sollte man versuchen zu vertreiben ‒ durch Lärm wie z.B. mittels Klatschen, Trillerpfeife, lautes Rufen. Wölfe, die sich nicht vertreiben lassen und auch den Sicherheitsabstand nicht einhalten, würden von den zuständigen Stellen verschärft beobachtet. Notfalls müsste dann auch eingegriffen und der Wolf “entnommen” werden. Diese Frage nach angemessenem Verhalten interessierte besonders Carola Schmidt ‒ stellvertretend für die Wanderfreunde im Harz. Sie hält aber auch fest, dass der Wolf zur Zeit nicht die drängendste Sorge im Harz sei. Allgemein appelliert sie an die Verantwortlichen, Prozesse zu beobachten und flexibel zu reagieren statt stur einmal beschlossene Maßnahmen durchzusetzen.

Der Wolf und die Weidetierhaltung

Der Wolf unterscheidet sich in seinem Jagdverhalten deutlich von anderen Tieren: Er macht zunächst einmal so viel Beute, wie er erwischen kann, bevor es dann an’s Fressen geht. Das hat mit einem “Blutrausch” nichts zu tun, denn dieses Verhalten ist für Wölfe in der Wildnis durchaus sinnvoll. Landwirte bzw. Tierhalter mit Schafen oder Rindern werden unterstützt durch “wolfabweisende” Maßnahmen wie Zäune oder Hütehunde. Einen 100%igen Schutz vor dem Wolf aber kann es nicht geben. Kreislandwirt Jürgen Hirschfeld befürchtet, viele Landwirte könnten die Weidehaltung aufgeben, wenn die Herden nicht ausreichend geschützt würden. Er plädiert deshalb für einen kontrollierten Wolfsbestand und damit für die Festlegung einer Höchstgrenze an Tieren.

Der Wolf und das Jagdrecht

Der Wolf steht unter Naturschutz und darf deshalb grundsätzlich nicht bejagt werden ‒ daran ändert auch das Jagdrecht nichts. Andreas Berbig vom Wolfskompetenzzentrum Sachsen-Anhalt gibt zu bedenken, dass ein sinnvoller Herdenschutz durch die Jagd auf einzelne Wölfe nicht möglich sei. Berbig zufolge ist auch die Aufteilung der Flora und Fauna in “Nützlinge und Schädlinge” und der daraus folgende Gedanke an Beseitigung nicht mehr zeitgemäß. In zahlreichen Ländern dieser Welt arrangieren sich Menschen mit Wildtieren wie z.B. Elefanten oder Löwen ‒ warum sollte das in Deutschland mit dem Wolf nicht gelingen? Der Leiter des niedersächsischen Wolfsbüros, Konstantin Knorr, ergänzt: „Es wäre traurig, wenn wir damit nicht klar kämen.“

Der Wolf und das liebe Geld

Maßnahmen, Landwirte vor Schäden durch den Wolf zu schützen, kosten Geld. Wieviel Geld zum Beispiel im niedersächsischen Landeshaushalt zur Verfügung steht, erläuterte Konstantin Knorr. Demnach seien 2,9 Mio. Euro vorgesehen ‒ in erster Linie für Präventionsmaßnahmen bzgl. des Herdenschutzes. Hinzu kämen ca. 300.000 Euro für das Monitoring und z.B. DNA-Analysen etc.

 

Alles in allem erneut ein sehr informativer Abend, den der Harzklub e.V. im Rahmen seiner Diskussionsreihe in St. Andreasberg organisiert hatte. Wer Näheres zum Wolf wissen bzw. sich detaillierter auch zu speziellen Fragen informieren möchte, findet im Internet eine sehr hilfreiche Materialsammlung unter www.umwelt.niedersachsen.de/wolf .

von Antje Radcke (Hauptpressewartin)