Gedenken am 3. Dezember – „Wenn Mauern fallen, tun wir was für den Frieden“

Harzklub erinnert an die Grenzöffnung am Brocken

von Jürgen Korsch

Es ist zu einer guten Tradition geworden: Alljährlich am 3. Dezember erinnert der Harzklub mit einer Gedenkfeier an die Grenzöffnung, nun bereits zum 29. Mal.
Der Ort der Veranstaltung ist, wie kann es im Harz anders sein, der höchste Berg, der Brocken. Denn während sich in Berlin bereits am 9. November 1989 die Grenzen öffneten und die Grenzen im Harz in den Tagen darauf folgten, in Eckertal bei Bad Harzburg beispielsweise am 12. November 1989, gab es am Brocken noch lange den eisernen Vorhang in Form von Mauern, Gitterzäunen und Stacheldraht.
Erst eine organisierte Wanderung am sonnigen 3. Dezember 1989 zum Gipfel machte auf dem Brocken das Märchen war. Vor dem Massenandrang der Brockenwanderer öffneten die Grenzsoldaten auf dem Gipfel das Tor und die Menschen konnten erstmals wieder auf die Gipfelkuppe.
Am 3. Dezember 2018 nun meinte es das Wetter nicht so gut mit den Wanderfreunden. Teilweise Regeln, trister Nebel und ein kalter Wind waren die vorherrschenden Elemente am Berg. Dementsprechend war auch die Zahl der Wanderer, die zur Gedenkfeier gekommen waren diesmal etwas kleiner und bewegte sich so bei ca. 100. Von Schierke, Oderbrück und Torfhaus waren die Harzklubler hinauf gewandert.
Am Gedenkstein, dort, wo einst das Tor geöffnet wurde, hielt der ehemalige Pfarrer Karl Leyrer – jetzt Hauptwanderwart beim Harzklub – die Gedenkansprache. Er erinnerte noch einmal an die wilde Zeit nach der Grenzöffnung, als die Trabis in den grenznahen Orten für Staus und schlechte Luft sorgten. Leyrer selbst erlebte den „kleinen Grenzverkehr“, wie er sagte, als Pfarrer einer grenznahen Gemeinde im nördlichen Vorharz. Im Westen beheimatet und angestellt, hatte er dann alsbald auch im Osten zu tun.
Es sei eine fantastische Zeit gewesen, an die er gern zurückdenke. „Damals waren wir wirklich frei“, sagte der Hauptwanderwart. Und angesichts heutiger Entwicklungen in Deutschland und der Welt mahnte er, doch keinen neuen Mauern zu errichten oder sich diese zu wünschen: „Wenn Mauern fallen, tun wir was für den Frieden“, sagte Leyrer.
Im Anschluss an seine Rede gab es Vitamine in flüssiger Form. Brockenwirt Daniel Steinhoff verteilte kleine Fläschchen eines bekannten Harzer Kräuterlikörs (mit vielen gesunden Kräutern drin). Die Harzklubler aus Hannover hatten nach dem Abstieg noch zu Kaffee und Kuchen in ihr Wanderheim bei Torfhaus eingeladen. Auch dort ging es herzig zu und es wurden alte Geschichten ausgetauscht.